Die folgenden Texte schrieb die Schülerin Johanna W. zwischen März und Dezember 1911 in ihr Aufsatzheft. Johanna lebte in einem kleinen Dorf in der Grafschaft Bentheim (Niedersachsen). Sie war damals 11 Jahre alt.
Unser Wohnhaus
Unser Wohnhaus ist ein einstöckiges Gebäude und für den landwirtschaftlichen Betrieb eingerichtet. Auf dem Erdgeschoss befinden sich die Stuben und die Stallungen für das Vieh. In unserm Wohnhaus befindet sich eine Küche, eine Stube, 2 Schlafkammern, eine andere Kammer, eine Rumpelkammer und eine Waschkammer.
Auf der Diele sind an der einen Seite die Kuhställe und an der anderen befinden sich Pferde- und Hühnerstall. Es liegt dort auch das Stroh aufbewahrt.
Auf dem Dachgeschoss wird das Getreide aufgespeichert. Vor dem Wohnhause liegt der Garten. Um das Haus herum ist der Hofraum. An das Haus grenzen die Ländereien.
Wie ich den zweiten Pfingstnachmittag verlebte
Der zweite Pfingsttag war ein sonniger Tag. Nachmittags ging ich zu meinen Gespielinnen. Wir haben allerlei lustige Spiele getrieben. Ich musste schon früh wieder nach Hause, denn ich musste die Kühe von der Weide holen. Unterwegs kam ich an Roggen-, Kartoffel- und Weizenfeldern vorbei.
Als ich auf der Weide ankam, grasten die Kühe noch schön. Langsam trieb ich sie nach Hause. Als ich wieder zu Hause anlangte, war ich müde und ging bald zu Bett.
Unser letztes Fuder Heu
Als wir auf der Wiese ankamen, stiegen wir sogleich vom Wagen. Jetzt wurde der Wagen vollgepackt. Als nun alles Heu auf den Wagen gepackt war, war der Wagen noch nicht ganz voll. Wie freute ich mich, dass ich oben auf dem Fuder sitzen durfte! Nun ging es wieder nach Haus. Oben vom Fuder aus konnte ich allerlei sehen. Bald langten wir zu Hause an. Das Heu wurde in die Scheune gepackt, und so waren wir mit dem Heuen fertig.
Wie wir unseren Roggen dreschen
Wenn wir dreschen, sind fast alle damit beschäftigt. Zuerst werden 70 - 80 Garben vom Boden geworfen. Bei der Dreschmaschine steht eine Person, die die Garben gleichmäßig auf einen Haufen legt. Dann werden die Pferde vor den Göpel gespannt.
Ein lauter Ruf ertönt und mein Vater veranlasst die Pferde zum Anziehen. Einer übergibt dem die Garben, der sie in die Dreschmaschine schüttet. Mit lautem Getöse kommt das Stroh zum Vorschein. Das Stroh wird zurück geschoben, damit das folgende Platz findet. Wenn der Roggen gedroschen ist, wird das Korn zusammen gefegt und danach gereinigt.
Wie meine Mutter Gurken einmacht
In diesem Jahr machen wir nur Essiggurken ein. Zuerst werden die daumdicken Früchte gehörig gereinigt und dann 12 Stunden in Salzwasser gelegt. Hiernach werden sie mit einem reinen Handtuch abgetrocknet. Dann nimmt meine Mutter ein Einmachglas, wäscht dieses mit Soda- oder Salzwasser gut aus. Ist das Einmachglas gut gereinigt, so können die Gurken in das Glas gelegt werden. Es werden auch Lorbeerblätter und Dill dazu verwendet. Wenn das Glas voll ist, wird Einmachessig darauf gegossen. Dann wird Pergament darüber gespannt. Oftmals sieht sie zu, wie sich die Gurken gehalten haben.
Unsere Sedanfeier
Am 2. September feierten wir die 41jährige Wiederkehr des glorreichen Sieges der deutschen Truppen bei Sedan. Morgens um zehn Uhr versammelten wir uns in der Schule, wo die meisten Kinder festlich erschienen. Zuerst wurden vaterländische Lieder gesungen. Danach hielt Herr Lehrer Leesmann einen Vortrag. Es wurde ein dreimaliges Hoch auf unsern Kaiser ausgebracht, und damit war die Feier in der Schule beendet.
Das Kartoffelsammeln
Wenn ich des Mittags nach dem Essen mit meinen Schularbeiten fertig bin, muss ich auch Kartoffeln sammeln helfen. Durch den vielen Staub, der durch das Roden verursacht wird, ist das Sammeln in diesem Jahre nicht besonders schön. Doch durch allerlei Scherz und Witz vergeht der Nachmittag ganz schnell. Ehe ich daran denke, kommt mein Vater schon mit dem Wagen, um die vollen Säcke nach Hause zu fahren.